Der Winter kam.
Und wir fuhren.
Nicht, weil wir mussten – sondern weil wir wollten. Viele mögen die Idee, sie können es sich auch vorstellen. Sie finden sie sogar gut. Aber irgend etwas hält sie zurück. Gewohnheiten, ein "eigentlich schon, aber …" oder gar ein "vielleicht irgendwann einmal".
Also wurde unser Wohnmobil wie in den letzten Jahren zur Winterresidenz und Kalabrien/Apulien zum Ziel erklärt. Gebiete, in denen der Winter kaum ernst genommen wird, Espresso (fast) Pflicht ist und Entscheidungen lieber nach Sonne als nach Kalender getroffen werden. Cirka drei Monate lang wollen wir langsam, einfach und beweglich in Kalabrien/Apulien verbringen: bleiben, wo es uns gefällt, weiter fahren, wenn und wann wir wollen.
Frei nach dem Motto: es ist schön, wenn man Zeit hat und die Gewissheit, dass man nicht alles tun muss, was man könnte. Aber tun kann, was einem Freude bereitet - mit Blick aufs Meer.
Vier Zwischenziele haben wir für die heurige Anreise eingeplant: FERRARA, RAVENNA, RECANATI und L'AQUILA
1 Samstag, 27. Dezember 2025
Minus 1 Grad in der Früh, als wir uns um halb 10 auf die Reise machen (HoferTankstelle Ossiacher Zeile und Bauhaus wegen Gas). Km-Stand 4.720 - 4.325 = 395 km, Maut: 27,60 €
Kurz nach Tarvis verabschiedet sich der Hochnebel und wir (besonders Brigitte) sieht das erste Mal seit mehreren Wochen wieder die Sonne und den strahlend blauen Himmel. Verkehr bei 10 - 12 Grad Außentemperatur war recht wenig und um halb zwei waren wir am Stellplatz in FERRARA.
Vom Stellplatz sind es 2 km Fußweg in die Altstadt mit ihren vielen schönen alten Ziegelbauten, im Zentrum ist fast Jahrmarkt. Und gleich die erste angenehme Überraschung: 1 Cafe, 1 Americano, 2 große Stück Dolce - 7,80 € für alles zusammen. Gegen 5 waren wir wieder beim WoMo, jetzt um halb 8 hat es noch immer 7 Grad.
2 Sonntag, 28. Dezember
Wetter wie gehabt, blauer Himmel und 7 Grad um 8 Uhr 30. Unser heutiges Ziel ist RAVENNA, 4.803 - 4.720 = 83 km südöstlich von Ferrara, gesamt sind wir bisher 428 km gefahren. Wir sind eine Stunde unterwegs, (30 Liter, je 1,609 € getankt) dann parken wir am Stellplatz von Ravenna, 2 km vom Zentrum entfernt, ein. Die Stadt ist bekannt und berühmt für ihre frühchristlichen Kirchen und durch die bunten Mosaike, die viele Gebäude zieren: die 8eckige Basilika di San Vitale, die Basilika Sant'Apollinare Nuovo (6. Jhdt.) und das Mausoleum Galla Placidia. Die Altstadt ist wunderschön, echt sehenswert.
3 Montag, 29. Dezember
Kalte 0,8 Grad und dichter Nebel als wir um 8 aus dem WoMo schauen. Der Nebel verzieht sich jedoch bald und auch die Temperatur steigt um die Mittagszeit auf 12 Grad, als wir 197 km weiter südlich (gesamt 625 km, 12,20 Maut) am Stellplatz von RECANATI eintreffen.
Die Stadt bietet nicht nur eine sehr schöne Altstadt, sondern auch einiges an Sehenswürdigkeiten: die Kirche San Domenico, die Casa Leopardi, das Teatro Persiani, den Sarkophag von Papst Gregor XII - und natürlich auch 147 Stufen auf den Torre Civica mit Traumaussicht auf die Stadt.
4 Dienstag, 30. Dezember
8 Grad warm um halb 9, wolkenlos wie gehabt. 181 km (gesamt 806 bzw. 5.180), 54 € für 33,8 Liter Diesel und 12,70 € Maut später waren wir am Stellplatz in der 2009 von einem starken Erdbeben schwer betroffenen Stadt L'AQUILA, ungefähr in der Mitte zwischen der Ost- und Westküste in 740 m Seehöhe. Tief verschneit die hohen Gipfel des Gran Sasso (Apennin), der Tunnel durch die Bergkette ist 10,4 km lang.
In der Stadt werden noch mehrere historische Gebäude restauriert, am Rand der Altstadt gibt es auch noch viele stark beschädigte Wohngebäude, die teilweise auf ihren Abbruch warten. Die Altstadt selbst ist sehr schön, das Highlight ist die Basilika San Bernardino mit dem Mausoleum und dem erhaltenen Leichnam des Heiligen Bernardino von Siena. Auch der Brunnen der 99 Wasserspeier und viele andere Gebäude sind äußerst sehenswert.
5 Mittwoch, JAHRESENDE 2025 (Silvester)
Um 8 Uhr starten wir in L'Aquila bei 1 Grad, um 14:10 treffen wir nach 455 km bei 12 Grad am LIDO TROPICAL in DIAMANTE ein. Fast voll der Platz, 90 % Italiener. Gut, dass ich unseren Platz schon vor Monaten reserviert habe, wir stehen am selben Platz wie letzten Winter, erste Reihe fußfrei.
Maut bezahlten wir heute 15,- €, insgesamt 67,50. Getankt habe ich heute 42 Liter um 70 €, insgesamt 105,8 Liter für die Gesamtstrecke von 1.261 km. Und unser neues WoMo hat jetzt 5.635 km am Tacho und AdBlue wird auch bald nachzufüllen sein.
1 - 4 Jänner 2026
Das neue Jahr fängt so an, wie das alte aufgehört hat: einfach gut. Hoffentlich bleibt es auch so ... Bei einer Runde durch die Stadt stellen wir fest, dass die ohnehin schon sehr blassen Murales wieder ein Jahr blasser geworden sind, die neue Brücke (?) über den Bach noch immer genauso unfertig ist wie im Februar und der Kaffee ebenso gut schmeckt wie vor einem Jahr. Der Strand ist auch noch gleich lang und gleich sandig, nur das Restaurant am Camp wird neu errichtet, es gibt derzeit nur Pizza da asporto. Auch gut :-)
Die erste Woche vom heurigen Jahr ist ja eher kurz, genau 4 überwiegend schöne und bis 19 Grad warme Tage von Donnerstag 1. bis Sonntag, 4. Jänner. Ist uns aber schon etwas länger vorgekommen - so, als ob die Tage viel Zeit haben. Und die Stunden sich so dehnen, als ob sie Yoga machen.
5 - 11 Woche zwei, 5. - 11. Jänner 2026
Nicht nur Arbeitswochen beginnen mit einem Montag, auch die Urlaubswochen. Und unsere zweite Woche brachte uns neben dem tollen Vollmond auch Wetter in allen Varianten: sehr warm, sehr frisch; Sonne pur und Wolken; mal wenig Wind, mal Starkwind; mal Regen, mal sehr viel Regen - und tolle Wellen sowie noch tollere Wellen. Schnee fiel bis auf ca. 800 m.
Ich ernte und verarbeite ca. 2 Kilo Mandarinen und Orangen, es gab tolle Pizza von Gabriele und im Kaffeehaus freuten wir uns über die günstigen Preise: 6,60 für einen Cappu, 1 Americano und 4 Stück Köstlichkeiten sind wirklich kein Grund, nicht öfters ins Kaffeehaus zu gehen.
Am Freitag wechselte das Wetter abrupt: der Meerwind legte stark zu, auch die Höhe der Wellen. Nach und nach verschwanden WoMo's aus der ersten Reihe, am Nachmittag siedelten auch wir in die dritte Reihe. Und bald danach schwappte das Meer schon über die Kante auf den Platz. Aber die Nacht und der Samstag-Vormittag waren nur die Ruhe vor dem Sturm, richtig spannend wurde es am Nachmittag: Wind laut App mit 65 kmh direkt auf den Camp zu, die immer größer werdenden Wellen vor sich hertreibend. Und mit Einsetzen der Flut ging es dann los, alle paar Minuten schwammen Sand und Steine über den Platz, das Wasser sammelte sich bis in den hinteren Reihen - vorne versickerte es meistens, bevor die nächste Riesenwelle wieder Nachschub brachte. Der Höhepunkt dann am späten Nachmittag, die Welle war schon ein kleinerer Tsunami. Hier der Film
Vor der Rezeption entstand ein fast knietiefer See, der heutige Pizzaabend wurde wegen Unerreichbarkeit der Pizzeria abgesagt. Zum Glück ist für die Nacht ein Nachlassen des Windes angesagt, auch der Regen soll weniger werden bzw. aufhören - und die Wellen werden hoffentlich kleiner.
Und so war es auch: der Bagger vom Camp war gefordert: es galt ziemlich viel Sand und Steine wieder zum Meer zu baggern. Die Sonne lachte bei knapp 20 Grad vom Himmel und eine Paparazza erwischte mich beim Sonne liegen.
12 - 18 Woche drei, 12. - 18. Jänner 2026
Alles wieder tutto bene, das Sturmtief ist weiter gezogen und wir sind wieder unterwegs. Am Strand entdecke ich etwas Eigenartiges: Eine Erklärung im Internet besagt, dass es sich um ein Symbol für das „Alte“ handelt, das man loswerden und dem Meer übergeben will. Passt irgendwie gut zum vergangenen Jahreswechsel.
Das Wetter ist wieder so, wie es sein soll. Am Strand werden angeschwemmte Wurzeln und Ähnliches entsorgt. Mit der Drohne fliege ich knapp 800 m bis zur vorgelagerten Insel, um den von undurchdringlichem Gebüsch eingewachsenen Turm zu „besichtigen“. Der derzeit aktive Stromboli schickt Rauchzeichen, und auch die Halbinsel von Milazzo auf Sizilien ist in der Ferne sichtbar.
Spaziergänge nach Diamante standen natürlich ebenfalls auf dem Programm – ebenso ein kleiner Rundflug mit der Drohne: Ich wollte die Stadt schon immer einmal von oben sehen. Auch das SUP wurde gewassert – ich übrigens auch. Ich übersah eine Welle, die gemein von hinten angeschlichen kam.
Den Markt haben wir auch besucht, außer 3 Kilo Mandarinen aber nichts gekauft. Nach einer sehr schönen und vor allem warmen Woche verzog sich die Sonne zum Wochenende, der Sonntag war bewölkt, es tröpfelte zeitweise und der Ostwind schaute öfters bei uns vorbei.
19 - 25 Woche vier, 19. - 25. Jänner
Irgendwie kommt das Wetter heuer nicht richtig in die Gänge. Ursache ist das (Sturm-)Tief „Harry“, das nördlich von Tunesien liegt und großräumig Unwetter mit Sturm- bis Orkanböen sowie bis zu zehn Meter hohen Wellen verursacht. Besonders betroffen sind die Ostküsten Süditaliens, Südsizilien (Messina–Agrigento) sowie Malta, wir sind zum Glück auf der Westseite von Kalabrien und somit weit weg.
In Diamante brachte der Dienstag viel Wind, in der Nacht auf Mittwoch Böen bis rund 70 km/h, jedoch ohne Schäden. Donnerstag und vor allem Freitag waren wieder sonnig und warm. Das nutzte ich für einen Ausflug ins 23 km entfernte Bergdorf Verbicaro (erste Erwähnung im 11. Jhdt) im Pellegrino-Gebirge auf 430 m Höhe. Der neuere Teil ist unspektakulär, die historische Altstadt etwas heruntergekommen, aber auf jeden Fall sehr sehenswert.
Am Stellplatz zeigte sich einmal mehr: „Dickschiffe“ über zehn Meter sind zwar ein Hingucker und bieten viel Platz, sind im Alltag aber unpraktisch – der sichtlich überforderte Fahrer fand keinen geeigneten Platz und musste wieder fahren.
Tolle Wellen bei der Mauer in der Stadt am Samstag Nachmittag, am Sonntag nochmals Extremwetter: in der Früh 17 Grad, föhnig warm – und von Mittag bis 18 Uhr starker und noch stärkerer Regen bei 9 Grad.
26 - 32 Woche fünf, 26.1. - 1. Februar
Noch ist Jänner, aber das Wetter ist schon voll auf April eingestellt. Von pfui Teufel bis ach, so schön – alles haben wir, teilweise sogar an einem Tag. Manchmal regnete es auch viel schneller, als das Wasser versickern konnte. Aber wir sind ja flexibel, und so machten wir auch einen sehr schönen Ausflug nach Praia a Mare, um die bekannte Wallfahrtskirche (in einer riesigen natürlichen Höhle) samt Kloster der Heiligen Maria „della Grotta“ zu besichtigen. Die Drohne flog auch (ohne Schirm), und Fachgespräche am Strand fanden natürlich ebenfalls statt.
Und da das Leben ja Veränderung ist, veränderten wir am Donnerstagabend unseren Standplatz wieder in die dritte Reihe – die Wellen-App kündigte nichts Gutes an. Und so war es dann auch: zwar nicht ganz so krass wie vor zwei Wochen, aber trotzdem. Der Strand war am Freitag dann teilweise etwas näher an den Stellplätzen, sonst war aber alles wieder o.k. – kaum Wind, einige Stunden Sonne. Und sechs Gläser Marmelade habe ich auch gemacht.
Das Wochenende endete mit Sonne, Wolken, manchmal Wind und auch etwas Regen. Der Sonntag war der krönende, blauhimmlige Abschluss mit 26 Grad vor dem WoMo – grad richtig zum Sonnen. Auch ein weiteres Dickschiff bei einem erfolglosen Einparkversuch konnten wir beobachten und der zweite Vollmond im heurigen Jahr lachte auch vom Himmel.
33 - 39 Woche sechs, 2. - 8. Februar
Eine Woche mit einigen Aktivitäten:
Montag: Fahrt nach Santa Domenica Talao zwex Olivenöleinkauf in der Ölmühle Frantoio und füllen meiner Gasflasche, dann den geschenkt bekommenen Sassolini-Stein in Santa Domenica Talao abgelegt - es war ein schöner und warmer Tag.
Dienstag: wieder warm und sonnig, die Mimosen blühen. Ich mache einen Ausflug zum Turm der Festung Rocca de Belvedere M., weiter zur Chiesa di s. Elia, Parocchia Madonna del Carmine und Convento San Daniele Fasanella. Als Tagesabschluss noch eine ausgiebige Abendrunde durch Diamante spaziert, ich fand sogar ein paar nicht verblasste Murales.
Mittwoch: 19 Grad um 8 Uhr, zu Mittag 14. Meine Dashcam ist gekommen, ich hab was zu tun :-) Ab und zu scheint die Sonne, am Nachmittag nimmt der Wind zu, am Abend auch die Wellenhöhe vor dem Camp, wir fahren zur Sicherheit wieder in Reihe 3.
Donnerstag, Freitag und Samstag: teilweise Regen, ab und zu sintflutartig, aber auch immer wieder sonnig und warm. Und so nebenbei produzierte ich 8 Gläser Mandarinenmarmelade.
Am Sonntag mache ich einen Rollerausflug über den 740 m hohen Passo dello Scalone zur prähistorischen Grotta Monaca mit einer sehr interessante Steinformation. Eigentlich wollte ich dann weiter zum Santuario Basilica Minore Maria, doch sind die letzten Kilometer nach einem Erdrutsch letzte Nacht nicht befahrbar. War auch ein Glück, weil sonst hätte ich das hübsche Städtchen Sant'Agata di Esaro (knapp 30 km im Landesinneren hinter Belvedere Marittima) mit den tollen Murales wahrscheinlich nicht besichtigt.
Der ganze Sonntag war großteils sonnig, angenehm warm und absolut windstill. Was auf die Wellenhöhe jedoch keinen Einfluss hatte: von Süden rollte am Nachmittag ein Brecher nach dem anderen auf Diamante zu, alle paar Minuten kam Wasser samt Sand und Steinen über die ca. 7 m hohe Ufermauer. Der "Auswurf" wurde über 30 m weit in Einfahrten geschleudert, die Straße entlang des Meeres wurde gesperrt.
40 - 46 Woche sieben, 9. - 15. Februar
Seit Ende Jänner bin ich Mitglied bei der FB-Gruppe "Stanatour1" und habe die ersten Steine für die Reise freigegeben - sprich am Montag in Diamante ausgesetzt. Die Woche beginnt wieder sehr wechselhaft, aber daran haben wir uns hier schon gewöhnt, es ist ja in ganz Süditalien und Sizilien nicht anders, nur halt um einiges wärmer als in Österreich. Und immer wieder gibt es schöne, sonnige Phasen, entweder zum in eine Pizzeria samt Laden zu fahren oder einen Spaziergang zu machen.
Freitag, der 13. - und neue Rekordhöhen bei den Wellen. Nicht nur einmal kam es über die Kante, die Zufahrt zur ersten Reihe VIP ist jetzt nur mehr für einspurige Fahrzeuge geeignet, den Weg hat es auf Reihe zwei und drei, teilweise auch Reihe 4 verteilt. Die Bodenfreiheit unseres Carthago reduzierte sich auf 10 cm, so viel Sand schwamm unter das Auto, ich musste am Samstag ein wenig "Sand spielen". Vor der Rezeption entstand wieder ein größerer See und ein Morello ging fast auf Tauchstation.
Die Straße in die Stadt wurde gesperrt, die meisten Einfahrten waren unter Wasser, das in bis zu 15 m hohen Fontänen über die Kaimauer kam, Feuerwehr und Polizei waren gefordert. Ich musste beim Fotografieren einige Male hüpfen bzw. sprinten - aber wenigstens schien die Sonne.
Der Beginn der Faschingsaktivitäten wurde abgesagt, das Wetter war eindeutig zu schlecht.
Am Sonntag nutzte ich das Schönwetter für einen Ausflug ins 1000 Einwohnerdorf Orsomarso, gut 20 km vom Camp entfernt. Nettes Dorf mit 4 Kirchen, großteils sehr gepflegten Häusern, tollem Uhrturm und einer Grotte der Madonna von Lourdes. Nur offenes Kaffeehaus am Sonntag gibt es nicht.
47 - 53 Woche acht, 16. - 22. Februar