FRANZÖSISCH GUYANA
Regenwald - Abenteuer - Raumfahrt


Wien - Paris Cayenne
Cayennne
Saül
Kourou
Isle du Salut


Saint-Georges
Brasilien
Cacao
Cayenne
Cayenne
VIE - KLU

Französisch-Guyana, ca. 550 km nördlich vom Äquator an der Nordostküste Südamerikas, zählt mit nur ca. 350.000 Einwohnern zu den außergewöhnlichsten Regionen der Welt: Raumfahrtzentrum in Kourou und Regenwald, der ca. 95 % des Landes bedeckt. Es gibt nur ca. 600 km Nationalstraßen, hauptsächlich im schmalen Küstenstreifen, Orte im Regenwald sind meist nur per Flugzeug erreichbar.
Das Land gehört als autonomer Teil Frankreichs zur EU (PREISE, Roaming-Zone und EURO wie in Europa): man reist in Südamerika durch Regenwald und Amazonasgebiet, befindet sich jedoch in der EU - gut 7.000 Kilometer von Europa entfernt.
Im Rahmen dieser Solo-Reise konnte ich das Raumfahrtszentrum, den Dschungel und einige sehr interessante Orte kennenlernen.


Tag 1, Mittwoch, 30. September

Zug Villach - Schwechat 6:36 - 10:57 (tatsächlich 11:25) , VIE - CDG 13:05 - 15.05
Gemütliche Anreise und Zeit, in Paris noch etwas zu unternehmen, der Flug über den Atlantik startet morgen um 9:40, für eine Anreise in der Früh gibt es keinen passenden Flug. Viel Paris geht in ein paar Stunden ja nicht, aber die wichtigsten 2 Orte (für mich) sind locker möglich: Eiffelturm und Notre Dame. Im Endeffekt wurde es jedoch viel mehr als gedacht.
Ich ließ meine zwei Trollys am Flughafen in der Aufbewahrung am T2 (je 16 €) und fuhr gleich ins Zentrum von Paris, Station Chatelet (14 €). Da sind das Centre Pompidu und das Pariser Rathaus und noch einige wichtige Gebäude - und ein paar hundert Meter weiter die Kathedrale Notre Dame. Voller Impressionen ging ich dann an der Seine mit wunderschönen Gebäuen und Brücken entlang (ca. 4,5 km) bis zum Eiffelturm und mit dem reservierten VIP-Ticket bis ganz hinauf. Paris von oben - faszinierend. Zum Schluss konnte ich noch das Lichterspiel sehen, dann fuhr ich mit dem Uber (33 €) zum Hotel Premiere Classe Roissy Aeroport CdG, Check-in 22:20, Nachtruhe um 22:25 Uhr


Tag 2, Donnerstag, 1. Oktober

Tagwache um 5 Uhr, nach dem Frühstück mit dem Hotelshuttle (6 €) zum Flughafen CDG um 6:00, Morgenspaziergang zur Gepäckaufbewahrung (öffnet um 7 Uhr) im T2, dann ca. 1 Stunde bis zum Gate im geschätzt 4 km entfernten Terminal E (Lyufbänder gibt es kaum) und warten auf den (pünktlichen) Abflug nach CAYENNE um 9:40.
Ankunft nach einem schönen Flug mit ca. 4 Stunden Schlaf um 13:40 Ortszeit, im CENTRAL HOTEL CAYENNE um 15Uhr eingecheckt. Etwas geruht, dann erste Stadtrunde machen wollen, jedoch zu lange geruht und nur mehr eine fotolose Dämmerungsrunde ums Hotel gemacht ...


Tag 3, Freitag, 2. Oktober

32 Grad um 8 Uhr, heute findet in unmittelbarer Nähe vom Hotel der Markt statt - wie immer ein Erlebnis. Nur eine HMONG-Suppe traute ich mir nach dem Frühstück nicht zu (am Rückweg gegen Mittag zum Hotel gab es leider keine mehr). Dann "bestieg" ich den vermutlich höchsten Punkt von Cayenne und bummelte noch etwas durch die Stadt, die "richtige" Besichtigung folgt am letzten Tag.


Am späteren Nachmittag (Taxi zum Flughafen, 43 €) flog ich nach
SAÜL, das nur per Flugzeug erreichbare Dschungel- bzw. Regenwalddorf ist der geographische Mittelpunkt des Landes. Ca. 250 Leute leben hier. Der Flug von Cayenne (insgesamt 13 Passagiere) dauert 45 Minuten und führt über endlosen Regenwald bzw. Dschungel. Im 1. Drittel, also noch "relativ" nahe zur Küste, sind mehrere Claim von Goldgräbern zu sehen, sonst aber nichts, vielleicht der eine oder andere Bach bzw. Fluß. Saül selber liegt mitten im Dschungel, Straße hierher gibt es keine, einige Quads dienen den Einheimischen als Transportmittel. Ich gehe im Gegensatz zu den anderen Touristen die 20 Minuten vom Flughafen auf einem Dschungelpfad ins Dorf, das Gepäck kommt mit dem Quad nach - und ist voll verstaubt.
3 Lokale und einen Tante Emma-Laden gibt es, Internet auch, aber sehr sehr langsam bis überhaupt nicht, wurde mir im Vorfeld gesagt. Die drei Restaurants öffnen allesamt um 19 Uhr.



Tag 4, Samstag, 3. Oktober

Es ist sehr warm und sehr sehr schwül. Und Überraschung: Elon Musk sei Dank, sein Starlink-Internet funktioniert bestens und sehr schnell.
Ursprünglich wollte ich die 10km-Runde um Saül wandern, mache dann aber doch nur die kleine Wanderung zur Belvedere, gut eine Stunde außerhalb auf ca. 350 m Seehöhe. Der Dschungel gibt viele Geräusche von sich, Tiere sehe ich aber keine und die vermeintlichen Regentropfen sind nur Wasser, das von den sehr hohen Bäumen tropft.
Nach der Rückkehr mache ich noch einen Bummel durch das Dorf, schau mir die Kirche (wird renoviert), die Schule (steht leer), den "Markt" und das Postamt an, sonst gibt es nichts - außer touristische Holzhütten, eine Sondermülldeponie und Holzhäuser von den Bewohnern. Am Nachmittag ist wieder Zimmerdienst am Programm, bis zum Abendessen.



Tag 5, Sonntag, 4. Oktober

Rückflug von Saül um 14 Uhr, der Ausflug in den Dschungel hat sich ausgezahlt, er war ein Erlebnis der anderen Art, das man sonst nicht so schnell haben kann. Ich spazierte bis zum Abflug noch durch die Ortschaft und entdeckte einige weitere interessante Fotomotive (auch Überreste des Goldrausches in der Region vor vielen Jahren und die örtliche Sondermülldeponie), inkl. Anordnungen der Frau Bürgermeister zum Wasser sparen (Pool füllen, Quad reinigen usw.) bzw. zur nicht in Betriebnahme des Stromaggregates (vom 2. Vize-Bgm) bis auf Weiteres.
Am Flughafen in Cayenne hole ich mir um 16 Uhr beim JUMBO mein
Mietauto ab: Kia Pikanto, 1 Liter Hubraum und geschätzte 50 PS, Schaltgetriebe.
Das Zimmer für die Nacht habe im LA PIERRE DES DUCS, ca. 15 km vor Cayenne gebucht, das Privathaus entpuppt sich als kindische Spielwiese des allein lebenden Pierre. Die Einschulung (mittels direkt Übersetzer französisch - englisch, deutsch hat er nicht installiert) vom Airfryer bis zum Kühlschrank und der WC-Spülung dauerte eine halbe Stunde.



Tag 6, Montag, 5. Oktober

Die Nacht war gut, ich backte (buk) mein Gebäck im Airfryer und bediente mich am reichlich vorhandenen Frühstücksangebot. Gegen 10 Uhr dann die Fahrt zu einem Carrefour zwex Proviant und durch einige wenige Dörflein weiter nach KOUROU (69 km), die Besichtigung vom Raumfahrtszentrum samt Halle Jupiter2 steht für 13:00 am Programm.,

Die gut zweistündige Rundfahrt durch den Raumhafen mit ausschließlich französichen Erklärungen war dank eines Flyer auf Englisch sehr interessant, die "heiligsten" Plätze sieht man ja sowieso nicht von innen, alles dick mit Stacheldraht und Alarmzäunen abgesichert. Aber die Montagehallen (eher Türme), die Tankanlagen, die Abschussrampen und diverse Fertigungshallen sind sehenswert. Zum Schluss besichtigten wir noch das Kontrollzentrum, Halle Jupiter2, von wo aus die Starts und Flüge überwacht werden. "Houston, wir haben ein Problem" ist mir da eingefallen.
Als ich die Reise zu planen begann, war auf diversen Internetseiten ein Ariane6-Start für den 7. Oktober angekündigt. Doch wie das halt bei ESA, NASA, SPACE X und so ist, Plan und Wirklichkeit sind zwei verschiedene Sachen.
Um halb 6 war ich dann bei meiner Unterkunft, Logements en pleine nature, Studio ou T2, ein paar Kilometer außerhalb von Kourou.



Tag 7, Dienstag, 6. Oktober
Heute fahre ich durch viel Dschungel bei fast null Verkehr nach IRACOUBO, hier gibt es eine sehr interessante Kirche, die auch als sixtinische Kapelle des Amazonas bezeichnet wird. Der Innenraum wurde von einem Sträfling in jahrelanger Handarbeit kunstvoll bemalt (400 m²), ein Meisterwerk! Ich spaziere noch eine Runde durch das kleine, aber sehr nette Dorf, dann fahre ich weiter.
Auch im etwa gleich kleinen Blumendorf Sinamary mache ich einen Spaziergang.

Vor Kourou (immer wieder sind zerstörte PKWs als Mahnmal am Straßenrand zu sehen) musste ich einmal rechts ran, und wie ich so beim Gebüsch stehe, tritt keine 50 Meter entfernt ein wunderschön gefleckter und ziemlich großer Jaguar (leben nur in Mittel- und Südamerika) aus dem Gebüsch, schaut mich kurz an und geht weiter. Wäre mein Foto des Jahres geworden ...

Im Raumfahrtszentrum besuche ich noch das Museum samt Ausstellung und Erkärung zur aktuellen ARIANE 6, sehe einige sehr informative Videos zur Montage der Raketen und weitere Infos zum CSG.
Abschluss des heutigen Tages dann beim Pointe des Roches mit dem historischen Dreyfuß-Telegrafenturm und einem sehr schönen Naherholungsgebiet.


Tag 8, Mittwoch, 7. Oktober

Heute heißt es früh (6:45) aufstehen, ich muß um 8 im Hafen von Kouro sein, die Schifffahrt (Ganztagestour) zur Inselgruppe ILE DU SALUT steht am Programm.
Nach einer kurzen Begrüßungszeremonie (französisch) fuhren wir bei anfangs kaum Wellen los, später war es ziemlich arg. Aber nach zwei Stunden erreichten wir ohne Seekrankheit die Inseln und legten bei der Hauptinsel Royale an, an die 30 Affen standen als Begrüßung bereit.
3 Stunden Zeit für individuelle Besichtigung des administrativen Zentrums der Insel samt Zellblöcken für die als am gefährlichsten eingestuften Kriminellen und dem Kinderfriedhof reichten voll aus, nach einer Stunde Badeaufenthalt fuhren wir für eine Besichtigung auf die Nebeninsel St.Joseph. Die dritte Insel, die berüchtigte Teufelsinsel (für politische Gefangene), ist für Besucher nicht mehr zugänglich.
Um halb 6 waren wir wieder in Kourou und konnten einen riesigen Buschbrand in der Nähe vom Raumfahrtszentrum sehen.
Der Tag war lang und anstrengend, aber einfach schön.


Tag 9, Donnerstag, 8. Oktober

Letzte Nacht im Studio ou T2. Ich fahre noch eine größere Runde in der Umgebung und in Kourou, dann geht es nach einem Besuch bei einer Tankstelle (2,21 € für den 95er Benz) wieder in Richtung Cayenne, wo ich am späteren Nachmittag im Hotel La Marmotte einchecke.
Viel tut sich nicht auf der Hauptstraße, vereinzelt gibt es Abzweigungen in kleine Dörfer im Dschungel, die Straße gehört fast mir alleine. Einen interessanten Friedhof entdecke ich, auch einen lieb gestalteten Kreisverkehr. Beim sehr breiten Cayenne-River wird die alte Brücke durch einen Neubau ersetzt, tolle Ausblicke auf die Baustelle.
Und eine Boulangerie, die hat, was ich will, habe ich auch gefunden.



Tag 10, Freitag, 9. Oktober

178 km fahre ich heute, teilweise bei angenehm abkühlendem Regen, sonst wieder heiß und sehr sonnig. Mein Ziel für heute ist Studio Lilicam in SAINT-GEORGES. Die Fahrt hierher war wieder eher einsam, die ca. 5.000 hier lebenden Leute fahren halt nicht in der Gegend herum ...
Der Ort liegt am Grenzfluss Oyapock gegenüber der brasilianischen Stadt Oiapoque, die ich morgen besuchen werde. Dieses Städtchen liegt gleich abgelegen im Regenwald wie Saint-Georges, beide jedoch an der Staatsstraße zwischen Französisch Guyana und der brasilianischen Großstadt Belem.


Tag 11, Samstag, 10. Oktober
20 Minuten gehe ich am Vormittag zum Hafen (sehe den festen Posten der franz. Fremdenlegion, über den vor kurzem eine Doku im TV lief), nehme eine der vielen Pirogen, die hier liegen und fahre um 10 € etwa 15 Minuten Fluss aufwärts. Unter der großen Grenzbrücke durch, dann links - und ich bin in Brasilien. Für Tagestouristen überhaupt kein Problem, kein Pass, kein Impfnachweis wird verlangt.
Oiapoque - naja ... Baustellen und dreckig, aber sehr lebhaft und ein Geschäft neben dem anderen, von Adidas bis Nike und Sketchers, Apple, Samsung - alles da. Mit einiger Mühe finde ich einen Straßengrill, die Restaurants öffnen erst später und die Buden am Fluß sind nicht sehr einladend. Englisch spricht niemand, Euro nehmen sie auch nicht - ich muss zuerst (10 Euro) wechseln gehen. Reicht locker für 3 Spieße und eine Bratwurst samt 3 Dosen Limo. Kaffehaus oder Eisdiele gibt es nicht, also wieder mit dem Schiff zurück.

Nach einer Zimmerstunde fahre ich dann 21 km mit einigen Regenschauern auf einer Schotterpiste in den Regenwald zu den Stromschnellen
SAUT MARIPA samt Raftingstation. Alles kein AHA-Erlebnis, aber ich war dort. Und auch eine dubiose Familie, die mich um eine Flasche Wasser anschnorrte - und ein älterer Radtourist, der alleine unterwegs war.



Tag 12, Sonntag, 11. Oktober

Heute steht die Rückfahrt nach Cayenne am Programm - nicht jedoch ohne zwei Zwischenstopps: als erstes schau ich ins kleine Dorf Regina, 3 km abseits der Hauptstraße, dann überhole ich den Radtouristen von gestern und biege ins Dorf CACAO, dem Zentrum der HMONG-Kultur in FG ab. Es liegt versteckt inmitten des tropischen Regenwaldes, 17 km von der Hauptstraße weg. Gegründet 1977 von Hmong-Flüchtlingen aus Laos, hat es sich in einen Hotspot verwandelt, mit dem Sonntagsmarkt als Höhepunkt. Hunderte Besucher kommen hierher, um kunstvolle Handarbeiten zu erwerben, die frischen Speisen, das tolle Obst- und Südfrüchteangebot und die super Atmosphäre zu genießen. Was mich betrifft: ich brauche heute kein Abendessen ...



Tag 13, Montag, 12. Oktober

Das Ende meiner Reise naht, heute noch einmal eine Stadtrunde in Cayenne gemacht: den langen und menschleeren, aber nicht sehr sauberen Strand von Montabo besucht, schwimmen geht nicht - zumindest auf die ersten 100 m vom Ufer. Weiter hinaus bin ich nicht gegangen.
Dann noch durchs Zentrum spaziert, recht interessante Häuser im Kolonialstil gesehen, auch den üblichen Müll am Straßenrand. Und die tolle Kathedrale (erbaut ab 1825), leider ist der zweistöckige Kirchturm nicht begehbar.
Nach einem wirklich guten Essen im Pho Dao (Hmong-Suppe!) steht Zimmerstunde am Programm, später noch ein Besuch im Kaffeehaus auf der Family-Plaza.


Tag 14, Dienstag, 13. Oktober

Heute wird etwas länger geschlafen, die letzten (anstrengenden) Tage zeigen doch Wirkung. Nach einem letzten Mittagessen gebe ich den KIA um 14 Uhr bei JUMBO am Flughafen ab und warte auf den Abflug nach Paris um 16:30 - 06:05 (+1),

Gesamt-Kilometer: 59.032 - 59.995 = 963
61 Liter Benzin, je 2,21 €



Tag 15, Mittwoch, 14. Oktober

CDG-VIE 9:55 - 11:50
VIE-KLU 13:20-14.00
KLU-VILL 14:49


Es fällt mir schwer, mitteilen zu müssen,
dass ich nicht mehr auf Reise bin,
sondern wieder zu Hause.
Zwar nicht für lange, aber immerhin ...

Ich bitte um Respekt und Nachsicht
für die Tage,
in denen ich mit der Situation umgehen muß.