Südfrankreich und Atlantikküste

Eigentlich war für heuer Schottland geplant, aber wir haben uns dann aus Gründen der Wetterstabilität entschlossen, nach Südfrankreich zu fahren. Beinahe wäre aber nix draus geworden, weil Ende März haben wir unser neues Wohnmobil bestellt - und die Lieferung dauerte. Aber eine Woche vor Urlaubsantritt konnte ich unseren Rimor Sailer 600 (Ford Turbodiesel, 90 PS) bei der Firma Dimai in Dornbirn abholen.

Reisebeginn war am Donnerstag, 1.7. nachmittags. Erste Übernachtung auf einem Autobahnplatz bei Brescia.
Freitag, 2.7.
Gegen Abend sind wir in AGDE eingetroffen und haben das WoMo auf einem großen Parkplatz neben dem Kino abgestellt und uns auf eine Stadtrunde gemacht. War sehr unterhaltsam, es fand gerade ein Stadtfest mit Fischerstechen und Lifemusik statt. Nach 23 Uhr haben wir uns ins Bett gelegt und tief und fest geschlafen.

Samstag, 3.7.
Wolkenlos und sehr warm. Wir fuhren zur berühmten Schleusentreppe von Fontserranne und erinnerten uns an unsere Hausbootfahrt vor 2 Jahren. Nur sind die Boote inzwischen moderner geworden, sie haben ein Schwimmbecken an Bord. Mit den Rädern ging es ca. 10 km entlang des Canals bis nach Columbiers und wieder zurück. Und weil in Columbiers direkt am Canal ein wunderschöner Parkplatz ist, sind wir mit dem WoMo dorthin gefahren und über Nacht geblieben.

Sonntag, 4.7.
Sonntagruhe bis halb 9. Frisches Baguette zum Kaffee bei warmen 28 Grad im Schatten unter den großen Bäumen. An die 15 Reiter satteln auf und machen sich auf einen Sonntagsausritt. Wir blieben so gut es ging direkt am Ufer und fuhren den Canal du Midi aufwärts bis nach Minervois, wo wir im schon bekannten Lokal La Grilladou zum Essen einkehrten. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir ruhend auf einem schattigen Platz direkt am Canal. Und um ca. 20 Uhr landeten wir in Carcasonne, wo wir die Nacht auf dem Parkplatz beim sehenswerten Castel blieben.

Montag, 5.7.
So soll ein Wochenbeginn sein: Blauer Himmel und schön warm. Unsere heutigen Ziele liegen ein paar Kilometer südlich im Katharer Land: Chateau de Peyrepertuse und Chateau de Queribus. Die Hauptstraße dorthin hat eine Höhen- und Breitenbeschränkung von 2,80 bzw. 2 Meter, deshalb müssen wir eine Nebenstraße fahren, was aber überhaupt kein Problem war. Die beiden Chateaus sind sehenswert. Wie ein Adlerhorst thront die Ruine Queribus auf einer Felsspitze, während de Peyrepertuse auf einem gezackten Berggrat von der Ferne kaum zu erkennen ist. Auf alle Fälle bewundernswert, was die Baumeister vor beinahe 1000 Jahren zusammengebracht haben. Am späteren Nachmittag ging es dann an Perpignan vorbei an die Küste, wo wir kurz nach Collioure in Banyuls sur Mer auf einem Womostellplatz (€ 7,50) landeten.

Dienstag, 6.7.
Der Dienstag begann mit Wolken und einigen Regentropfen. Wir spazierten durch den malerischen Fischerort, kauften frisches Baguette und Obst. Die Sonne kam auch bald zum Vorschein, so stand einem gemütlichen Tag am Strand nichts im Wege. Gegen Abend fuhren wir die paar Kilometer ins Landesinnere nach Thuir, wo wir die große Aperitivbrennerei von Byrrh (Cinzano, Doubonet usw.) besichtigten. Imposant das größte Holzfass der Welt, das 1 Million Liter fasst. Auch sehr gut der Geruch, der sich über das ganze Gelände verbreitet. Riecht gleich, wie die Kostproben schmecken! Die Nacht standen wir bei Castelnou, ein paar Kilometer nach Thuir. Sehr schönes Dorf, von einer noch schöneren Burg überragt.

Mittwoch, 7.7.
Für heute ist die Weiterreise nach Andorra geplant. Kurz nach Castelnou muss irgendwo die Abzweigung gewesen sein. Angeblich. Haben aber keine gefunden. Eine Befragung von Straßenarbeitern (ich Englisch, die Arbeiter Französisch) hat ergeben, dass wir in der falschen Richtung unterwegs sind. Aber das haben wir natürlich nicht geglaubt und sind stur weitergefahren. Ergebnis: Umweg von ca. 60 km durch den nordöstlichsten Zipfel von Spanien. Aber die Landschaft war interessant, das Wetter gut und auch Verkehr war kaum. Andorra selber ist ja nicht allzu groß. Und noch weniger breit. Gleich nach der Grenze die erste von ca. 50 Tankstellen (Diesel: 0,623 €) dann alle paar 100 Meter Einkaufszentren, Hotels und Baustellen. Sehr viel los hier! Nach Norden zu ging es über den Port de Envalira zurück nach Frankreich, wo uns schon wieder Wolken erwarteten. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Foix, wir standen über Nacht neben dem Sportzentrum auf einem schönen und sehr ruhigen Platz.

Donnerstag, 8.7. 
Nachdem es am Vortag wegen der Reiseroute eine kleinere Diskussion gab hat, spricht Brigitte heute wieder mit mir. Sie blättert sogar im Reiseführer und grübelt über die weitere Reiseroute. Ihr Input in die Reisegestaltung. Muss ja nicht alles immer ich machen, und dann hören, dass alles nach meinem Kopf geht. OK, weiter geht die Reise. 110 km nach Lourdes, was wir ausgiebig anschauen. Schon sehr beeindruckend und beklemmend, wenn man sieht, welche kranken und vom Tod sichtbar gezeichneten Menschen hierher kommen und auf ein Wunder hoffen.
Die Nacht mangels anderer Möglichkeiten um 8,50 auf einem Campingplatz gleich außerhalb verbracht, für ein Flascherl Wein haben wir auch 3,25 verschwendet ! Und ich sehe auf der Straßenkarte, dass der von der Tour de France bekannte Col du Tourmalet gar nicht weit weg ist.

Freitag, 9.7.
Nach dem Frühstück machen wir uns so um 10 Uhr auf den Weg. Für das WoMo ist die Bergstraße kein Problem, aber die vielen Radfahrer, die uns begegnen, haben ganz schön zu kämpfen. Geht doch ziemlich steil und vor allem lange aufwärts. Als ich bei der Abfahrt um eine Kehre fahre, schau ich einem Paragleiter fast direkt ins Auge. Hurra, Fluggebiet. Gleich den Landeplatz gefunden und mit dem Flugschulchef gesprochen. Er hat in ca. 1 Stunde einen Tandemflug und nimmt mich gerne (und gratis) zum Startplatz mit. Es wurde ein wunderschöner, fast einstündiger Flug. Hab meinen Schirm doch nicht umsonst mitgenommen! An Lourdes vorbei geht es dann weiter nach Westen, wo wir ca. 50 km vor der Atlantikküste bei Dax-Orthez die Nacht verbringen.

Samstag, 10.7.
Wochenende. Daher auch in Frankreich schlechtes Wetter. Wir fahren deshalb nicht gleich ans Meer, sondern machen die im Reiseführer beschriebene Extratour: in Esplette besichtigen wir die Pralinenmanufaktur von Antton (hmmmmm). Sehr schön auch das laut Reiseführer originalste und ursprünglichste baskische Dorf Ainhoa. Ein paar Kilometer weiter nehmen wir den petit train, eine Zahnradbahn, und fahren auf den La Rhune, von den 900 m Höhe blickt man bis nach Biarritz und Spanien. Das Stiertreiben von Pamplona war eigentlich unser nächstes Ziel, aber da auf Plakaten überall von einem „friedlichen“ Stierkampf in Ascain geworben wird, streichen wir Pamplona. Und fahren nur die paar Kilometer über die Grenze, um billig Vollzutanken. Bei den letzten Tankstellen vor der spanischen Grenze kostet der Diesel überall 0,99 €, in Spanien lediglich 0,76. Und bei 80 Liter zahlt sich das schon aus. Die Nacht stehen wir gratis gemeinsam mit ca. 15 anderen Womos in der Nähe der Talstation vom Petit Train.

Sonntag, 11.7.
Sommer-Sonne-Sonnenschein. Daher gleich nach dem Frühstück nach Biarritz gefahren, von dort ca. 20 km weiter nach Norden und bei Tarnos den ganzen Tag am Strand verbracht. Das Meer hat angenehme 19 Grad... Abends dann wieder durch Bayonne und Biarritz zurück nach Ascain und um jeweils 9,- den „Stierkampf“ besucht. Eine sehr unterhaltsame Veranstaltung. Die Nacht wieder am Parkplatz beim petit train.

Montag, 12.7.
Der Montag ist wieder trüb, wolkig und kühl. Bei ziemlichen Regen fahren wir um die Mittagszeit durch Bayonne, doch ein Wetter-SMS von Sylvia macht uns Hoffnung auf Sonne. Und genau so war es dann auch. Urplötzlich wolkenlos! Wir fahren auf einen sehr gut beschilderten und schönen Stellplatz (6,60 pro Nacht) hinter der Düne bei Capbreton, ein paar hundert Meter von Ortszentrum entfernt. Am Strand ist es zu windig, aber hinter der Düne einfach herrlich. Abends dann noch eine Runde mit den Rädern gefahren und als wir so um halb 10 zum WoMo kommen, geht grad ein Paragleiter samt Ausrüstung vorbei. Aha, da wird auf der Düne geflogen - muss ich mir für morgen merken.

Dienstag, 13.7.
Wolkenlos, sehr warm. Lümmeln den ganzen Tag faul herum. Mal am Strand, mal hinter der Düne - hauptsächlich im Schatten. Und gegen Abend dreht der Wind von West auf Nordwest, womit mein geplantes Dünenfliegen natürlich ausfällt. Der Sonnenuntergang war dafür vom Feinsten.

Mittwoch, 14.7.
Gegen Mittag weiter so knapp wie möglich am Meer entlang nach Norden. Wollten eigentlich die Dünenlandschaft von Mimizan besichtigen und dort bleiben, sind aber doch bis kurz vor Arcachon zur Dune du Pilat gefahren. Gleich unter Europas größter Düne ist ein riesiger Parkplatz (pro Nacht € 9,20), von wo aus wir rechtzeitig zum Sonnenuntergang auf die über 100 Meter hohe Düne stiegen.

Donnerstag, 15.7.
Den ganzen Tag am südlichen Ende der Düne verbracht, heiß und sonnig. Das Wasser hat auch nur so um die 20 Grad. Am Nachmittag hab ich fliegen probiert, aber der Meerwind war für meine Verhältnisse doch ein bisschen zu stark, daher nach einer Stunde Aufziehübungen ziemlich abgekämpft wieder meinen schattigen Platz unter den Pinien eingenommen. Gegen 20 Uhr wieder zum Parkplatz gefahren.

Freitag, 16.7.
Wie gestern wieder am südlichen Ende der Düne gestanden, der Wind ist um einiges schwächer. Daher auch zwei Dünenflüge gemacht, gemeinsam mit vielen anderen. Und die Nacht trotz Verbotstafel hier im Pinienwald geblieben, es hat sich niemand beschwert - am wenigsten wir selber.

Samstag, 17.7.
Wochenendwetter. Bedeckt, regnerisch, wenig Sonne. Liegen wieder faul herum und tun nix. Wollte Reisebericht schreiben, bin aber nur zum Laptopaufladen in der Polizeistation gekommen, mehr ging nicht ... 

Auch der Sonntag, 18.7., war trüb und regnerisch, sind daher mittags abgefahren. An Bordeaux vorbei, ca. 250 km nach Brive, wo wir die Nacht verbrachten.

Montag, 19.7.
- und das Wetter wieder um einiges besser. Ein bisschen eingekauft, getankt (0,850 EUR) und gegen Mittag weiter nach Osten gefahren. Sehr viele Weingärten, riesige Getreidefelder links und rechts der Straße. Kleine Dörfer mit alten und noch älteren Häusern und eine nicht immer leicht zu fahrende Straße. Ziemlich im Niemandsland bei Mars einen netten Campingplatz gefunden und dort um 8,20 übernachtet.

Dienstag, 20.7.
Durch sehr viel Natur über le Puye nach Valence und von dort nach Grenoble, von hier in fast durchgehender Kolonne Richtung Alpe de Huez (Tour de France!!!). 4 km außerhalb auf einem zum Camp umfunktionierten Feld geparkt - so wie Hunderte andere Womos und PKWs auch. Zu Fuß dann den Ort erkundet und fast bis zur 2. Kehre spaziert. Abends dann einen Spittaler, der in der Schweiz arbeitet, getroffen. Französischen Rotwein, Weißwein aus dem Wallis und Barack getrunken. Und ein Bier zum drüberstreuen.

Mittwoch, 21.7.
Mit Unbehagen im Kopf gegen Mittag ins Ortszentrum geradelt, und dann zu Fuß weiter. Bei heißem, schwülen Wetter bis ca. zu Kilometer 9,5 von 13. Am Straßenrand Unmengen von Wohnmobilen und Leuten. Ein Tiroler sagte mir, dass die besten Plätze schon seit Sonntag besetzt sind. Die Stimmung war traumhaft, der Sieg von Lance Armstrong der Punkt am I. Und auch unser Georg Totschnig war im Spitzenfeld zu finden. Nach dem Rennen dann in der Menge wieder vom Berg hinunter und zum WoMo. Gegen 20 Uhr waren sämtliche Straßensperren wieder aufgehoben und wir fuhren 15 km nach Osten, damit wir am nächsten Morgen nicht durch den Start der nächsten Tour-Etappe  an der Weiterfahrt gehindert werden. Bei einem Stausee einen schönen Platz gefunden, zwei große Heineken getrunken und trotzdem schlecht geschlafen. Ziemlich müde gewesen. Hat sich aber trotzdem voll ausgezahlt, der Abstecher zur Tour de France.

Donnerstag, 22.7.
Tag der Pässe. Bei sehr schönem Wetter über den Cole du Galibier (2.556 m), Cole de Iseran (2.769 m) und den kleinen St.Bernhard (2.188 m) und durch den Mt. Blanc-Tunnel nach Chamonix. Am späten Nachmittag auf den großen WoMo-Platz eingeparkt und den Tag faul ausklingen lassen.

Freitag, 23.7.
Nur auffe. Um halb 9 mit der Bahn um jeweils 34 € auf den Aguille du Midi. Zwischenstation in 2.300 Meter, Bergstation in 3.760 m. Dann noch mit dem Lift zur oberen Aussichtsplattform, 3.842 Meter. Und nach ca. einer halben Stunde verziehen sich die Wolken, der Blick auf den Mt. Blanc (4.800 m) ist frei, mehrere Bergsteiger sind beim Aufstieg.

Ich kann nur jedem, der mal nach Chamonix kommt, diesen Ausflug empfehlen. Echt sehenswert. Auch wenn einige Leute auf Grund des ziemlich schnellen Aufstiegs in doch große Höhe mit dem Kreislauf Probleme bekommen und sich nur sehr langsam und unsicher bewegen. Mittags dann Abfahrt Richtung Schweiz. 
Durch Wallis zum Furkapaß, da haben wir aber die Bahn genommen und sind unten durch statt oben drüber. Und abends waren wir in Feldkirch. Abendessen bei einem Fischteich (gebratene Forelle und 2 Bier), wo wir auch über Nacht blieben.

Das Ende. Samstag, der 24.7. ist. Abfahrt so gegen 9 Uhr, dann mit Peter und Gerda auf einen Kaffee in Innsbruck getroffen. Und pünktlich zum Beginn der Grillfete um 18 Uhr sind wir bei Ewald in Villach eingetroffen. Ein klein wenig oder doch mehr gegessen und getrunken, um cirka etwa ungefähr 2 Uhr oder so ins WoMo gestiegen und aus.