Rundreise durch Brandenburg, Sachsen und Berlin
die MALIBU-Premierenreise, Teil 2
Mittwoch, 29.6.2016
Über Teplice verlassen wir die Slowakei und erreichen die Sächsische Schweiz, wo wir uns am Campingplatz Nikolsdorfer Berg niederlassen. Ein sehr ruhiger Platz, mitten im Wald, ca. 7 km außerhalb von Königstein. Es ist regnerisch und wir sind vom intensiven Programm in Karlsbad und der Fahrt doch müde - also wird der Rest des Tages geruht.
Donnerstag, 30.6.
Bewölkt, aber trocken. Wir spazieren ohne Hund zum Schloss Königstein, eine riesige Anlage hoch über dem Ort mit herrlicher Aussicht auf die Elbe und die umliegenden Hügel und Steinformationen. In den zahlreichen Räumen sind viele interessante Details zum damaligen Leben zu sehen, unter anderem die Beschreibung eines leider nicht mehr existierenden Weinfasses mit einem Volumen von 23.000 Liter.
Um 14 Uhr verlassen wir den Camp und erleben 5 Minuten später einen Schock: MOMO ist nicht im Auto. Super, ist sicher aus dem Auto gesprungen, als Brigitte bei den Mülltonnen vom Camp unseren Mist entsorgte - nächste Umkehrmöglichkeit erst in ca. 1 km, dann retour zum Camp. Momo spaziert ohne irgendwelche Reaktion zu zeigen bei einem Wohnwagen herum, sieht aus, als ob sie auf der Suche nach einer neuen Familie ist. Eine gute Stunde später erreichen wir den WoMo-Stellplatz (10 € für 24 Stunden) von Dresden am Käthe-Kollwitz-Ufer, ca. 1,5 km von der Altstadt entfernt. Gegen Abend spazieren wir noch bis zum Schloss, dann ist Feierabend.
Km-Stand: 1.442
Freitag, 1. Juli
Postkartenwetter für die Besichtigung von Dresden. Alle Sehenswürdigkeiten liegen nahe beinander, sodass es keine langen Wege gibt. Viel von der historischen Bausubstanz in der Altstadt wurde im 2. Weltkrieg von den Alliierten zerstört und danach mit russischer Hilfe wieder aufgebaut. Die Fülle der Prachtbauten wie Frauenkirche, Zwinger, Semperoper, Hochschule, Albertinum und das Residenzschloss ist einmalig in Deutschland. Viele Ausflugsschiffe liegen am Terrassenufer beim Brühlschen Garten, Hop on Hop off-Busse verkehren regelmäßig. Und weil Dresden ja eine so schöööööne Stadt ist, sind die Preise für einfache Imbisse auch angepasst, ein Aperol Spritz ist z.B. um 7,90 zu haben.
Und natürlich gibt es auch wieder Türme zu besteigen: Bei der Kreuzkirche sind es 264 Stufen, die Aussicht ist allerdings nicht so toll wie vom Turm der Frauenkirche, den ich alleine besteige: der Aufstieg erfolgt im 1. Teil mit einem Lift bis in 26 m, dann folgt ein Wendelgang und zum Schluss sind 127 Stufen zu bewältigen. Die Aussicht auf das unmittelbare Zentrum von Dresden ist ein Hammer. Und der Rückweg ohne Lift, dafür aber mit 263 Stufen ist auch schön ....
Wir überqueren vom Schlossplatz aus die Augustusbrücke und erkunden auf der anderen Seite der Elbe die Neustadt, wo unter anderem die Statue vom Goldenen Reiter und die Markthalle sehenswert sind. Und der Blick zurück zur Altstadt ist auch nicht ohne ...
Samstag, 2. Juli
Erstes Ziel heute ist die BASTEI, der absolute Höhepunkt der sächsischen Schweiz. Wir stellen das WoMo am Shuttelbus-Parkplatz nach Lohmen ab und nehmen den Bus zu den 5 km entfernten Steinformationen. Einfach sensationell, was die Natur hier aus den Sandsteinen geschaffen hat. Genial auch die wieder aufgebaute Brücke, die die Verbindung zu den Resten einer verfallenen Festung herstellt. Auch der Ausblick auf die Elbe und das gegenüber liegende Schloss Königstein ist sehr schön.
Und weil halt nicht immer alles nur schön sein kann, braut sich innerhalb von Minuten ein ordentliches Gewitter zusammen, das uns mangels Unterstellmöglichkeit bei den Felsen richtig einwässert.
Es bleibt auch den Rest das Tages regnerisch, sodass wir am Campingplatz Bautzen Wetterschicht im WoMo haben. Und die besten Plätze waren natürlich sofort vergeben ....    Km-Stand: 1.575
Sonntag, 3. Juli
Ich packe den Roller aus und wir fahren ins nahe Bauzen, das bereits 1002 urkundlich erwähnt wurde und eine Reihe von Sehenswürdigkeiten bietet: Burgwasserturm, Alte Wasserkunst (141 Stufen waren zu bewältigen), Mönchsbastei, Rathaus, Domstift - und eine Besonderheit: das Wahrzeichen der Stadt, den Dom St.Petri. Diesen ziemlich großen Dom teilen sich Katholiken und Protestanten in exakt abgegrenzten Teilen, jeweils mit eigener Orgel und eigenem Hauptaltar. Die "Grenze" (ein Gitter von 1 m Höhe, bis vor 60 Jahren noch über 4 Meter) verläuft quer durch den Dom, die evangelische Kirche darf über zwei Drittel (einschließlich Langhaus und Turm) verfügen.
Zwei Strafanstalten haben dem Ruf von Bautzen einen bitteren Beigeschmack gegeben: eine "normale" JVA und BAUTZEN 2, das ehemalige STASI-Gefängnis, das heute eine bedrückende Gedenkstätte ist. Sie erinnert an die politischen Gefangenen der DDR und zeigt in Biografien, Zeitzeugenvideos, Text- und Bildtafeln von den Haftbedingungen - und zwar im Europa des 20. Jahrhunderts und nicht im finsteren Mittelalter. Bautzen 2 befindet sich im Bauzustand der Jahre 1989/90, als die Anstalt geschlossen wurde und die Häftlinge im Zuge der "friedlichen Revolution in der DDR" frei kamen.
Wir spazieren nachdenklich zurück in die Altstadt und kehren im SORBISCHEN Restaurant Wjelbik ein. Die Sorben sind ein kleines slawisches Volk mit eigener Sprache, Küche und Kultur, es gibt eigene Zeitungen, Verlage, Schulen und Vereine.
Montag, 4. Juli
Wir zahlen 25,50 € pro Nacht und machen uns auf die Reise nach Löbau, wo uns neben der original erhaltenen Altstadt vor allem der GUSSEISERNE KÖNIG FRIEDRICH AUGUST TURM mit seiner 125stufigen Wendeltreppe interessierte. Der Ausblick aufs Flachland ist schön, sogar Reinhold Messner hat sich im "Gipfelbuch" des Turmes verewigt, er hat den Aufstieg ohne künstlichen Sauerstoff geschafft, wird stolz im Buch vermerkt ...
In Ebersbach besuchen wir das Kaffeemuseum, ein wunderschöner Vierkanthof mit Kaffeerösterei, tollem Innenhof, selbst gebackenen Eierschecken und einem klavierspielenden Beagle.
22 Km weiter liegt der kleine Ort Obercunnersdorf, in dem die schönsten Umgebinde-Häuser weit und breit zu besichtigen sind. Es sind Holz-Steinhäuser, deren Grundriss und Gerippe in spezieller Form erbaut wurden, sie sind Zeugnisse einer über viele Jahrhunderte gleich gebliebenen Volksbauweise. Das Schunkelhaus (kleines Bild unten rechts) stammt z. B. aus dem Jahre 1730 und bot mit seinen knapp 12 Quadratmetern einer Familie Raum für Küche, Bad, Wohn-, Arbeits- und Kinderzimmer in einem. Seit 1994 ist in dem Häuschen eine informative Ausstellung zur Umgebinde-Bauweise eingerichtet.
Am späten Nachmittag parken wir am Stellplatz ZITTAU (7 € ohne Strom) am Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien ein, der Rest des Tages wird relaxed. Km-Stand: 1.662
Dienstag, 5. Juli
Wir spazieren in die nahe Stadt zwex der üblichen Besichtigung, den Aussichtsturm bei der Johanniskirche besteige ich alleine (262 Stufen).
Nachmittags packe ich den Roller aus und fahre über die nahe Grenze nach Polen, wo ich bei Bogatynia den großen Kohlentagabbau von außerhalb besichtige. Leider will/kann keiner der Einheimischen Deutsch oder Englisch, nur einer von drei Polizisten gibt mir Auskunft: nein - es gibt keine Führungen, nein - näher ran ist verboten, nein - mehr sag ich nicht. Über einen kleinen Waldweg komme ich doch ein Stück näher heran, aber das war's schon ...
Mittwoch, 6. Juli
Ein paar Km weiter liegt Görlitz, eine kleine Stadt, je zur Hälfte in Deutschland und Polen, getrennt durch die Neiße. Ca. 3.500 Gebäude der Stadt sind im 2. Weltkrieg unversehrt geblieben, in DDR-Zeiten jedoch stark vernachlässigt worden. Jetzt erstrahlen sie wieder wie einst - eine wahre Augenfreude. Wir überqueren die Brücke nach Polen, kaufen uns dort ein Eis und spazieren wieder zurück, um in einer Konditorei die berühmte Torte SCHLESISCHE MOHNWOLKE zu verkosten.
Die Nacht verbracht haben wir beim Stellplatz vom Reiterhof Rosenhof, 3 km außerhalb vom Stadtzentrum. Km Stand: 1.750
Donnerstag, 7. Juli
Wir verlassen Görlitz und nehmen Kurs auf Berlin. Cottbus und Co entlang der Strecke lassen wir aus, Kirchen und Marktplätze und so haben wir bisher genug gesehen. Aber einen kleinen Umweg machen wir doch: In Lichterfeld-Schacksdorf ist am Bergheider See die Abraumförderbrücke F60 zu bestaunen. 11.000 Tonnen schwer, 501 Meter lang und 80 Meter hoch ist dieses technische Wunderwerk. Baubeginn war 1988, die Stillegung erfolgte bereits 1992, als der Kohleabbau hier eingestellt wurde. Seitdem dient der Koloss als Museum und Filmkulisse.
Im abendlichen Hauptverkehr fahren wir durch Berlin bis zum Stellplatz in der Marina Lanke im Stadtteil Spandau, Km-Stand heute: 2.018
Freitag, 8. Juli
Leicht bewölkt, nicht allzu heiß - Berlin, wir kommen. Mit dem Roller fahren wir die 15 km bis zum Großen Stern und besteigen gleich die Siegessäule mit den 280 Stufen. Dann spazieren wir die Gerade bis zum Reichstagsgebäude, durch das Brandenburger Tor, kaufen uns Tickets für die Berlin-City-Tour und lassen uns durch die Stadt fahren, nicht ohne bei den interessantesten Orten auszusteigen.
Samstag, 9. Juli
Kurz nach 9 steigen wir bei der Siegessäule nochmals in den Bus und fahren die komplette Runde A, natürlich mit mehreren Zwischenstopps, so wie zum Beispiel bei der Gedenkstätte, wo neben Mauerresten auch eine Dokumentation über die Gräueltaten der Nazis zu sehen ist. Es übersteigt mein Denkvermögen, warum es heute noch Leute, ja JUNGE Leute gibt, die den AH und seine Mörderbande verherrlichen ... Kitschig und eigentlich umsonst ist das ganze Rundherum beim Nachbau des Checkpoint Charlie.
Viele sehr interessante Sachen haben wir gesehen, als wir am Nachmittag Berlin verlassen und ins 30 km südöstlich gelegene Wuhlheide fahren, wo heute auf der Kindl-Bühne das Radio-Berlin-Open-Air mit über 17.000 Zusehern stattfindet. Haben uns Karten zwex den WEATHER GIRLS, SUZIE QUATTRO und RIGHT SAID FRED gekauft, DJ Ötzi und die Münchner Freiheit mussten wir halt als "Anhängsel" über uns ergehen lassen ...
Die Nacht stehen wir ruhig auf einem kleinen Privat-Parkplatz ganz in der Nähe der Kindl-Bühne. Km-Stand: 2.059
Sonntag, 10. Juli
Ein heißer Tag, als wir in der Früh nach Leipzig aufbrechen und am Wohnmobilpark "am Dölitzer Holz" (gleich neben dem Park-Schloss von Leipzig) einparken, Km-Stand: 2.275
Mit dem Roller sind wir gut 10 Minuten unterwegs ins Zentrum und starten die Besichtigung der Stadt bei der Thomaskirche, wo wir auch eine einstündige Turmführung (232 Stufen, unser letzter Aufstieg für diese Reise) mitmachen.
Rund um das Zentrum sind viel schöne und interessante Gebäude zu besichtigen, viel los ist am Augustusplatz, wo auch das Panoramahochhaus steht. Mit dem Lift geht es ins 29. Stockwerk, dann noch 3 Stockwerke zu Fuß ganz hinauf zur Aussichtsterrasse. Aus 120 m Höhe sieht Leipzig auch sehr schön aus und der Turm der Thomaskirche mit seinen 68 Metern (Aussichtsrundgang in 50 m) schaut aus, als ob er noch nicht fertig ist ...
Montag, 11. Juli
Ein sehr heißer Tag kündigt sich an, aber gegen Mittag machen wir uns trotzdem auf die Heimreise. So zwischen 33 und 37 Grad zeigte das Außenthermometer an, nur bei einem kräftigen Gewitter im Raum Regensburg sank es kurzfristig auf 24 Grad. Am großen Gratis-Stellplatz in Passau waren wir ein WoMo unter vielen, auch das vom TV bekannte Traktor-Wohnwagen-Gespann stand hier. Km-Stand heute: 2.735
Dienstag, 12.7.
359 km sind es bis Villach mit einem kurzen Umweg über Gmunden, wo wir beim Malibu-Händler ein paar Kleinigkeiten zu klären hatten.
Wir waren nicht nur mit den besichtigten Städten, Dörfern und Bauten (Kirchtürme!) sehr zufrieden, auch das neue Auto hat sich in allen Belangen bestens bewährt, die Verarbeitung ist sehr gut, nix klapperte oder quietschte.
Gesamt-Km (inkl. Tschechien): 3.094                         Durchschn.Verbrauch: 10,6                        bestiegene Stufen: gut 5.200