Von Litauen nach Lettland, Fortsetzung unserer BALTIKUM-Rundreise
Lettland
Freitag, 20.5.
Sonne und Wolken wechseln sich ab, als wir uns nach einer ruhigen Nacht auf die Weiterreise nach Lettland machen. Bis zur lettischen Grenze bei Elaja ist die Straße wunderschön ausgebaut, gleich nach dem aufgelassenen Grenzgebäude beginnt eine Rumpelpiste der Sonderklasse bis nach Bauska, wo das Schloss Rundale auf die Besichtigung wartet. Das Auto bleibt von den Hunden bewacht am Parkplatz und wir machen uns auf zur Tour (je 3,50 LATS und 1 LATS für die Fotolizenz, umgerechnet 12 €) durch das wunderschön renovierte Schloss Rundale (Ruhenthal) das Anfang des 18. Jahrhunderts geplant bzw. gebaut wurde und ein wirklicher Palast ist, der auch als "Versailles an der Ostsee" bezeichnet wird. Bei der Renovierung wurde darauf geachtet, die Wohnräume der Herzogsfamilie genauestens zu rekonstruieren. Heute finden hier unter anderem Staatsempfänge des lettischen Präsidenten statt.
Auf teils etwas besserer Straße erreichen wir am Nachmittag die lettische Hauptstadt Riga, wo wir uns am City-Camp, 2,5 km von der Altstadt entfernt, niederlassen. Der Platz bietet alles bis auf ein Geschäft, wird wie bei Campingplätzen in Großstädten üblich, rund um die Uhr bewacht - aber bei der Bezahlung ist Bargeld erforderlich, VISA oder sonstige Karten werden hier nicht akzeptiert ... Gemeinsam mit Brigitte laufe ich knappe 8 km, für heute stehen dann keine Aktivitäten mehr am Programm, außer ein bissl Internet bzw. lesen.
Km-Stand: 2.543
Samstag, 21.5.
Wolkenlos, windstill und 16 Grad um 9 Uhr. Traumhaftes Wetter für die Besichtigung von Riga.
Riga hat an die 800.000 Einwohner und alle Merkmale einer Großstadt: einen breiten Fluss (Daugava), mächtige Brücken, mehrspurige Straßen, alte, sehr schöne Häuser im Jugendstil, moderne Glaspaläste - und die typischen Plattenbauten am Stadtrand. Riga wird von der russischsprachigen Minderheit geprägt, die knapp die Hälfte der Bevölkerung ausmacht. Mit den Rädern fahren wir bis zum Rathausplatz, dort beginnen wir in einem Sight-Seeing-Bus (je 10 LATS) eine guided Tour, gleich beim ersten Halt (Oper) steigen wir aus, um die unmittelbare Umgebung zu erkunden:
Das Freiheitsdenkmal mit der 42 Meter hohen Statue (1989 gab es hier allabendlich Demonstrationen für ein "Unabhängiges Lettland". Gleich daneben der wunderschöne Stadtpark auf der anderen Seite der sehenswerte Orthodoxe Dom. Wir nehmen die unterbrochene Rundfahrt wieder auf und sehen sehr viel vom Zentrum Rigas und erhalten auch entsprechende Informationen dazu.
Nach der Rundfahrt geht's zur detaillierten Besichtigung zu Fuß in die tolle Altstadt. Diverse Kirchen, Aussichtsplattform (leider nur per Lift erreichbar) von der Petri-Kirche (je 6 LATS), die Oper, nochmals das Freiheitsdenkmal mit dem Stadtpark, viele wunderschön renovierte Jugendstilhäuser, belebte Plätze, romantische Gassen, ein authentisches Mittagessen um 10,50 LATS für 2 im "Alus seta" - Riga bietet sehr viel. Am Nachmittag sind wir für eine Pause wieder beim Auto, gegen Abend rollen wir mit den Rädern nochmals durch die Altstadt, einige weitere Kirchen warten noch auf uns.
Sonntag, 22.5.
Nochmals wolkenlos, ein paar Grad wärmer sogar als gestern. Gegen halb 10 machen wir uns wieder auf Tour und sind urplötzlich mitten drin - statt nur dabei: der Riga-Marathon findet heute statt, mit Rahmenprogramm wie Halbmarathon, Familienlauf, 10,5 km-Lauf. Wenn ich das vorher gewusst hätte ...
Brigitte bleibt mitten drin im Geschehen am Rathausplatz, ich erforsche einstweilen den großen Markt in 4 ehemaligen Zeppelin-Reparaturhallen samt riesen Freigelände. Einiges an geräuchertem Fisch landet ein paar Stunden später im Kühlschrank, ein paar süße Köstlichkeiten samt Kaffee verspeise ich gleich im Markt.
Die Nachmittagshitze (26 Grad) verbringen wir ruhend im/vorm Auto, dann radeln wir zum Hafen, wo wir aber nicht viel sehen, es gibt keine Zufahrt für neugierige Touristen. So landen wir halt wieder in der Altstadt, heute Sonntag spielt es sich hier richtig ab. 1000e Spaziergänger, Picknicks im Park, Straßenkünstler und und. Eines vermissen wir aber in Riga: es gibt nirgends einen richtigen EIS-SALON ! So bleibt uns nur der örtliche MCD, wo wir uns mit Mc Flurry verwöhnen. Brigitte einmal, ich gleich zweimal.
Montag, 23.5.
Ich bin schon gegen halb 8 munter und entschließe mich zu einer morgendlichen Laufrunde, nach 9,7 km bin ich klatschnass wieder beim WoMo, ein Gewitter mit Blitz und Donner begleitet mich auf den letzten paar hundert Metern. Wir machen unser Auto startklar, entsorgen Abwasser,  füllen Frischwasser, zahlen 43 LATS für die 3 Nächte inkl. Internet und los geht's.
Im Marco Polo-Reiseführer sind auf/an/in der Nähe der Straße nach Ventspils 3 Sehenswürdigkeiten angepriesen, die wir uns anschauen wollen. 12 km nach Tukums liegt Schloss Jaunmokas, das jetzt im Besitz des lettischen Forstministeriums (und daher geschlossen) ist.
So ca. 35 km weiter ist das Schloss Pedvale, wo für eine umfangreiche Renovierung das Geld fehlt. Um Geld in die Kasse zu bekommen, wurde hier ein Openair-Museum eingerichtet, die in Künstlerworkshops hergestellten Kunstwerke werden in der Landschaft ausgestellt. Am Ortsrand von Pevale sehen wir am Straßenrand eine Ausstellung der besonderen Art: an die 150 fast lebensgroße Puppen, die diverse Alltagsszenen darstellen und auch entsprechend gekleidet sind.
Von Pedvale fahren wir weiter nach Jaunpils, laut Navi sind es 58 km. Doch bereits nach wenigen Km endet die asphaltierte Straße und eine unasphaltierte Rumpelpiste beginnt. Nach ein paar 100 Meter drehe ich um, wir fahren lieber doch die Hauptstraße. Nach einigen weiteren Kilometern schickt uns das Navi wieder rechts weg, die Straße beginnt wunderschön, endet jedoch wie die vorher nach einigen Km wieder als Schotterpiste. Nochmals retour und endgültig auf der Hauptstra├če zum Schloss Jaunpils, das jeden Besucher sofort "ins Mittelalter versetzt" (Marco Polo). Versetzt kommen wir uns auch vor, aber nicht ins Mittelalter. Sehenswert ist das Schloss keinesfalls, auch die dazugehörigen Häuser geben nicht viel bzw. gar nichts her. Aber ein mittelalterliches Folterwerkzeug können wir ausprobieren.
Haben viel von der doch sehr schönen, leicht hügeligen und sehr waldreichen Landschaft kennengelernt, 100te Störche und riesige Rapsfelder gesehen - und kommen heute schon nach Cesis, ca. 8o km nordöstlich von Riga, anstatt erst morgen. Von Riga bis Cesis ist fast durchgehend Autobahn oder FAST-Autobahn - die sind hier sowieso ein eigenes Kapitel: Bushaltestellen gibt es, Fußgängerampeln mit Zebrastreifen - und sogar einen beschrankten Bahnübergang. Mit Schranken für die Autos auf der Autobahn, nicht für den Zug ...
In Cesis parke ich im Stadtzentrum beim Wachturm und Sportplatz ein, doch ein paar Jugendliche mit Schnaps- und Bierflaschen animieren uns nicht zum Bleiben. Beim Ortsanfang fahre ich zu einer Tankstelle und frage, ob wir hier die Nacht stehen dürfen - klar doch, kein Problem, alles videoüberwacht und sicher. Na gut.
Km-Stand: 2.942, 70 Liter um 62,- LS getankt
Hier endet unsere Lettlandreise, weiter geht es morgen nach Estland