Mit dem Wohnmobil durch Ostfriesland

 

Samstag, 2.6.2007

Nach dem ich mich 14 Stunden vom Rückflug aus New York ausgeschlafen hatte, passierte es beim Aufstehen: Ein Brenner im Bereich der Lendenwirbelsäule. Fast bewegungsunfähig kroch ich unter die Dusche und wackelte dann ins Erdgeschoss, wo ich mir zwei starke Schmerztabletten einwarf. Dann ans Telefon: die Orthopädische Ambulanz in der Sonderkrankenanstalt hat nur von Montag bis Freitag offen, dann das LKH angerufen: hier gibt’s keine orthop. Ambulanz, nur eine neurologische. Und behandelt wird nur stationär. Also, bleibt nur mehr der Hausorthopäde. Ein Wunder, seine Frau hebt ab und nicht ein Anrufbeantworter. Ich erzähle ihr meine Geschichte – und sie sagt mir, ihr Mann ist bei einem Kongress in Salzburg, sollte aber bald zurückkommen. Sie wird ihn von meinem Unglück verständigen, er wird sich melden. Was er auch 10 Minuten später tat. Er versprach mir, in der Privatklinik alles zu arrangieren, ich soll mich mit der dort diensthabenden Ärztin in Verbindung setzen. 35 Minuten später war ich dann in der Klinik, wurde an den Tropf gehängt, ein EKG wurde gemacht – und der Herr Doktor kam auch schon daher. Zog zwei Spritzen auf, setzte eine Blockade bei den beleidigten Wirbeln und 20 Minuten später konnte ich aufrecht und schmerzfrei die Privatklinik verlassen. Weil schließlich sollte es ja heute noch in den Urlaub gehen. Wir starteten so um 15 Uhr und zwischen Villach und Spittal meldete sich plötzlich am Armaturenbrett die Ladekontrollleuchte samt dem STOP-Befehl. Na bravo, was ist denn jetzt wieder los. Abfahrt Spittal, dann zum ÖAMTC, wo mir von einer Weiterfahrt dringend abgeraten wurde, weil es kann die Lichtmaschine kaputt sein. Na gut, dann halt retour nach Villach. Unterwegs leuchtete das Kontrolllicht ein paar Mal auf, mal länger, mal kürzer. Zur Sicherheit fahre ich noch zum ÖAMTC Villach, wo zufälligerweise eine ehemaliger Renault-Mechaniker Dienst hat. Für ihn war es eine Arbeit von 2 Minuten, bis er den Wackelkontakt in einem Stecker beseitigte und uns dann eine gute Reise in den Urlaub wünschte. Also, wieder auf Richtung Spittal, dann weiter über die Tauernautobahn. Ziemlich viel Baustellen, es geht eher langsam vorwärts. So um 20 Uhr erreichen wir den Chiemsee, wo wir uns am Parkplatz direkt neben dem See für die Nacht niederlassen. Das Kreuz gibt Ruhe, das Kontrolllicht auch. Auf Grund der besonderen Umstände sind wir nicht soweit gekommen, wie geplant. Aber wenigstens sind wir unterwegs.


Sonntag, 3.6.

Alles Bestens, weiter geht’s nach Norden. Verkehr relativ wenig, aber einige Baustellen, wo es doch nur recht zähe weitergeht. So gegen 19,30 und nach 1000 gefahrenen Kilometern bleiben wir in Larrelt, kurz nach Emden (1150 km von Villach) bei einem Sportplatz für die Nacht stehen.


Montag, 4.6.

Bis halb 9 geschlafen, dann noch ca. 20 km bis zum Campingplatz „Am Deich“ in Campen gefahren. Kostet 21 Euro inkl. Strom und die zwei Hunde. Eine Pizzeria und einen Minimarkt gibt es auch. Pizza an der Nordsee ... Nach dem Frühstück spazieren wir ein Stückchen am Deich entlang, zu sehen ist nicht viel. Nur ein Leuchtturm ca. 2 km entfernt. Also, die Hunde ins Auto, die Räder heraus und los geht’s. Fahren hinter dem Deich nach RYSUM (8 km), wo wir uns eine sehr schön renovierte Windmühle anschauen.

Am Rückweg zum Camp besteigen wir dann den Leuchtturm von CAMPEN (1,50 Euro, 65 Meter hoch, 320 Stufen) und genießen einen herrlichen Rundumblick. Um halb 3 sind wir wieder beim WoMo. Auf Pizza haben wir keine Lust, was anderes gibt es nicht, daher wird im WoMo gekocht. Es ist mal sonnig, mal bewölkt und hat angenehme 23 Grad. Wir verbringen den restlichen Tag mit Nichtstun bzw. Fernsehen und lesen.


Dienstag, 5.6.

Heute radeln wir ca. 14 km am Deich entlang nach Greetsiel, einem lieben kleinen Dorf, wo die einzige Doppelmühle Deutschlands steht. Es ist wieder wechselnd bewölkt, aber auch schwül. Und der Gegenwind beim Radeln ist auch nicht angenehm. Aber das Dorf entschädigt uns für alle Müh und Plag, auch das Fischessen war erste Klasse. Bei der Rückfahrt hatten wir Rückenwind und sehr viel Sonne. Nach insgesamt 29 km Radfahren erreichen wir wieder unseren Camp, wo wir den Rest des Tages bei absolut blauem Himmel verbringen.

  


Mittwoch, 6.6.

Unser heutiges Ziel ist der Camperstellplatz am Hafen von Emden (6,50 für 24 Stunden, Strom pro KW 50 Cent), den wir Dank unseres Garmin auch sofort finden. Wir machen uns auf eine Stadtrunde, essen natürlich wieder Fisch (Lachs für B, ich muss die Matjes probieren). Die Besichtigung vom OTTO-Huus ist mit Hunden verboten, daher gehe ich als Erster hinein. Die 2 Euro Eintritt für B sparen wir uns, viel gibt das Haus nicht her – außer man verbringt den ganzen Tag mit dem anhören von Otto-CD’s. Danach machen wir uns auf eine Hafenrundfahrt (je 6,70), die sehr interessante Einblicke bringt. Zurück beim WoMo bekommen die Hunde ihr Futter und ich mache mich mit B nochmals auf in das nahe Stadtzentrum. Es ist auch heute wieder sehr sonnig und ziemlich warm. Wieder beim WoMo eingelangt, beginnt gerade der musikalische Teil des Deutschen Schifffahrtstages. 3 Männerchöre singen am Hafen altbekannte Seemannslieder und geschmückte Schiffe fahren mit lautem Horn in den Hafen ein. Auch der Bundespräsident ist heute in Emden. Am Abend mache ich nochmals eine kleine Hafenrunde und esse Matjes-Tartare mit Pumpernickelcroutons.


Donnerstag, 7.6.

Wolkenlos und über 20 Grad um 8 Uhr. Nach dem Frühstück fahren wir ins nahe Suurhusen, wo wir den angeblich schiefsten Kirchturm der Welt bewundern und vom Kirchendiener einiges an (wahrer ?) Geschichte zur dieser Kirche erfahren (der Turm von Pisa hatte vor der Sanierung einen Überhang von 4,65 Grad, danach waren es 4,19 - der Turm von Suurhusen hängt um 5,07 Grad).

Weiter geht es dann nach Moordorf, wo wir uns um je 3,- Euro Eintritt das Moormuseum ansehen. Sehr interessant! Anschließend fahren wir ein bisschen auf Expedition (im Garmin ist ein Stellplatz eingetragen, dort sind aber nur Einfamilienhäuser), bis wir uns bei Jever auf den Stellplatz (5,- inkl. Strom und Wasser) niederlassen. Mit lesen und Nixtun wird es bald Abend, dann ist Gute Nacht angesagt.


Freitag, 8.6.

Unser heutiges Ziel ist Schillig, ein Ferienort am nördlichen Ende des Jade-Busens. Ein Campingplatz mit sicherlich 2000 Plätzen, vielen Gebäuden, Lokalen usw. auf 100 ha, WoMo-Stellplätze auch an die 300. Kostet pro 24 Stunden 15,- (plus einmalig  2,- Müllentsorgungsbeitrag. Wir lümmeln faul herum und tun nix außer Nixtun. Abends dann ein wenig TV und um halb 10 einen schönen Sonnenuntergang beobachtet.


Samstag, 9.6.

Wieder sehr warm und wolkenlos, das Standardwetter der letzten Tage. Wir bleiben bis gegen 17 Uhr und sind gleich aktiv wie gestern. Dann fahren wir ca. 15 km nach Harlesiel, wo aber alle Stellplätze voll sind. Deshalb auf einem normalen Parkplatz eingeparkt (wild stehen geht hier nirgends) und 4 Euro für heute bis Mitternacht und weiter 4 Euro für morgen bis Abend bezahlt. Ohne Strom ...


Sonntag, 10.6.

Um halb 9 meldet sich mein Handy. Achja, Vatertag ist. Danke fürs Aufwecken, Daniel. Aber lieb, dass du nicht darauf vergessen hast so wie dein Schwesterchen. Wir spazieren entlang des Kanals eine gute Stunde bis nach Carolinensiel und wieder zurück, kaufen unterwegs Matjesbrötchen, Krabbencremesuppe in der Dose und noch anderes „Fischzeugs“. Und können so nebenbei ein paar Einheimischen bei der Ausübung ihres Hobbies zuschauen. Um die Mittagszeit machen wir uns dann wieder auf nach Emden – kreuz und quer durch die wunderschönen und einsamen Dörfer. 

 

 

Wir stellen uns wieder auf den Stellplatz und ich fahre die Antenne aus, gerade beginnt der Moto-GP von Barcelona. Im Anschluss daran gebe ich mir das Herrenfinale der French Open (Nadal 3:1 gegen Federer) und um 19 Uhr den Grand Prix von Kanada mit dem Horrorunfall von Kucera. Abendessen fällt heute aus, die 4 Fischbrötchen vom Vormittag reichen noch immer.


Montag, 11.6.

Tagwache kurz nach 6 Uhr! Um 7 sind wir beim Außenhafen vom Emden, wo ich die bestellten Karten für die Fähre nach Borkum (183,- inkl. 2 Nächte am „Insel-Camping“) abhole, um 8 verlassen wir den Hafen bei strahlend blauem Himmel und 24 Grad. 2 Stunden später laufen wir in Borkum ein und machen es uns nach einer Stadtrunde mit dem WoMo auf dem sehr sauberen Platz bequem.  

Es ist sehr heiß, aber eine leichte Brise macht es erträglich. Trotzdem null Aktivitäten, nur Schattensitzen und lesen ist angesagt. Nach 19 Uhr steige ich noch auf den Leuchtturm (2 Euro, 302 Stufen, 60 Meter hoch) und genieße die tolle Aussicht über die ganze Insel.


Dienstag, 12.6.

Der erste Tag, an dem keine Sonne zu sehen ist. Ist aber ganz gut, weil heute ist ein Besichtigungstag. Als erstes mache ich alleine die Tour zu den Seehundbänken mit Krabbenfang (14,80 Euro) und erfahre ziemlich viele und sehr interessante Details zum Fischerleben in diesem Gebiet. Und die vielen Seehunde, die auf der großen Sandbank vor Borkum-Stadt herumliegen, sind sowieso sehenswert.

Am Nachmittag begeben wir uns dann auf eine geführte (je 6,75 Euro) und sehr informative Barfußwanderung durch das Watt. Im Anschluss daran noch eine Stadtrunde, dann ist Ruhe im WoMo angesagt.


Mittwoch, 13.6.

Es ist wieder sehr sonnig, aber auch windig. Um 10 Uhr sind wir im Hafen, gegen ¾ 11 legt die Fähre nach Emden ab. Zuerst sitzen wir am Oberdeck in der Sonne, verziehen uns aber bald nach Innen und beobachten durch das Fenster die ziemlich hohen Wellen. Von Emden fahren wir dann so ca. 18 km ins Dörfchen Norden, wo wir uns auf den Stellplatz 5 km nördlich niederlassen. (12 Euro, Strom extra - 2 KW für 1 Euro). Es ist ziemlich wolkig, trotzdem machen wir uns mit den Rädern auf den Weg nach Norden. Prompt müssen wir unterwegs bei einem Autohaus Unterschlupf suchen, es regnet zum Glück aber nur kurz. Norden bietet ein sehr schönes Zentrum mit vielen Fachwerkshäusern. Am Rückweg lassen wir den Stellplatz links liegen und radeln gleich die 3 km weiter nach Norddeich, wo wir den Hafen besichtigen wollen, doch beginnender Regen zwingt uns zur Rückkehr, unterwegs müssen wir für 20 Minuten bei einem Geschäft unter der Markise abwarten, bis es nicht mehr regnet. Abends zur Abwechslung wieder einmal Selbstversorger gespielt.


Donnerstag, 14.6.

Gegen Mittag erreichen wir wieder Emden und stellen uns auf den schon bekannten Stellplatz. Wir kaufen uns Tickets für die Grachtenfahrt (je 10 Euro), die um 14 Uhr beginnt. Fast zwei Stunden tuckert das Boot durch teils herrlich verwilderte Kanäle, vorbei an wunderschönen Häusern, am Segelclub, Yachtclub, an diversen Schulen usw.

Eine echt schöne Fahrt, unsere letzte Aktivität in Friesland. Gegen Abend fahren wir los in Richtung Bielefeld (250 km), wo wir von Holger und Elke schon erwartet werden. Der Tag klingt mit einem Griller und Bockbier auf der Terrasse aus ….


Freitag, 15.6.

Tagwache um halb 7, Abfahrt gegen halb 8. Und um 17,45 Uhr parke ich das WoMo nach 915 gefahrenen km (gesamt 2850 km) vor der heimatlichen Garage ein. Und schnappe mir sofort den Rasenmäher, weil in den 3 Wochen ist der Rasen ca. 30 cm gewachsen ...