Die Südinseln

Santiago und Ilha do Fogo


Freitag, 26.11.21
Zu Mittag Transfer zum Flughafen, dann Inlandsflug nach Fogo (= die Feuerinsel). Der Flug dauert ca. 20 Minuten, schon beginnt der Landeanflug auf die 4. größte Insel des Archipels. Fogo ist fast kreisrund, hat einen Durchmesser von 25 km und ca. 40.000 Leute leben hier sehr einfach in den Ortschaften an den Ausläufern des Vulkans.  Ich habe für eine örtliche Volksschule einiges an Schulsachen mitgebracht, bei der Fahrt in die Chã das Caldeiras machen wir bei einer kleinen Schule halt und der "Traveller  from Australia" hat jetzt wieder viel mehr Platz im Koffer. Und meine wirkliche Herkunft erkläre ich auch ...
Quartier für die nächsten zwei Nächte nehme ich in der Casa David inmitten der Kraterlandschaft am Fuße des Vulkans in ca. 1400 m Seehöhe - es ist etwas frischer als auf Meereshöhe, obwohl die Insel die wärmste der Kap Verden ist. Die Einzel-Portionen beim Essen sind wie immer riesig, also für zwei Leute ausgerichtet.

Samstag, 27. November
Pico Grande: heute geht es hoch hinauf - um 6 Uhr Frühstück, um 06:30 treffe ich mich mit dem Guide, dann Abmarsch in der Dunkelheit, bald wirft der 2.829 m hohe Vulkan jedoch seinen Schatten auf das Gebirgsmassiv gegenüber. Wir gehen gut 2 km relativ flach dahin, dann beginnt der Anstieg, schön langsam und bald immer schneller steil und steiler werdend (45 bis 50 Grad), zum Glück alles im Schatten. Nach genau 3 Stunden sind wir am Kraterrand, ca. 30 Höhenmeter unter dem Gipfel. Das letzte Stück ist ziemlich wild zum Gehen und durch Seile gesichert, ist aber in 10 Minuten erledigt und wir stehen nach insgesamt 4,5 km am Gipfel. Eine halbe Stunde stehen und schauen wir, verspeisen eine Packung Kabanossi, dann machen wir uns wieder auf den Abstieg, gut 300 Meter den gleichen Weg wie hinauf. Dann biegen wir links ab und kommen auf das Lavasand-Feld. Eineinhalb Kilometer rutschen (gehen geht nicht, zu weich und zu steil) wir sehr steil hinunter, hinauf könnte man hier nie und nimmer gehen. In der schier ewigen Lavasandfläche ohne irgendwelche Vegetation sitzt plötzlich ein Marienkäferchen auf meinem Shirt und lässt sich sicher 150 Höhenmeter ins Tal tragen. Vielleicht wollte es mir auch einfach nur Glück bringen .... Genau 1:50 dauerte der Rückweg, am Ortsrand durchqueren wir Weingärten und teilweise toll blühende Blumenflecken, dann kehren wir gleich zum Mittagessen ein.
Am Nachmittag spaziere ich in der Nachbarschaft herum und schau mir die Lavafelder und verschütteten Häuser vom letzten Ausbruch des Fogo an. Toll blühen die Weihnachtssterne und für Kinder bin ich irgendwie auch immer interessant (so wie Kinder für mich).
Der Pico do Fogo ist seit 1680 8 mal ausgebrochen, der letzte Ausbruch war am 23.11.2014. Lavaströme bewegten sich mit relativ hoher Geschwindigkeit durch die Caldera, das Dorf Chã das Boilers wurde evakuiert und war Tage später großteils unter Lava begraben. Teilweise sieht man Reste von den Häusern in der erstarrten Lava, viele neue Häuser wurden in den letzten Jahren errichtet.

Sonntag, 28. November
Am Vormittag geht (werde ich gefahren) es wieder ins Tal, die Hauptstadt der Insel - Sao Filipe - ist das Ziel. Mit jedem Höhenmeter von der Caldeira herunter, wird es wärmer - SPÜRBAR wärmer. Sao Filipe ist der größte und wichtigste Ort der der Insel Fogo, hat ca. 10.000 Einwohner und einen langen, schwarzen Lavasandstrand. Allerdings ist die Meeresströmung sehr stark, schwimmen gehen sollte man nur in einer kleineren Bucht etwas außerhalb vom Ort. Mein Quartier ist das Melissa's Guesthouse, ziemlich zentral mit toller Aussicht auf das Meer an einem südseitigen Hang gelegen. Es ist kaum jemand unterwegs, es ist ja Sonntag - und würde nicht ein Cartoon auf Facebook mich an das besondere des heutigen Tages erinnern, bekäme ich gar nichts davon mit.


Montag und Dienstag, 29.-30. November
Zwei Ruhetage in Sao Filipe - die haben mir gut getan, die bisherige Reise war doch sehr intensiv. Ich nützte die freie Zeit zu einem ausführlicheren Stadtbummel und machte auch eine ziemlich lange Wanderung am schwarzen Lavasandstrand. Und da ich am Weg zum Strand in der Stadt chinesische Weihnachtsbäume sah, bekam ich sofort Wintergefühle und baute am Strand einen dunkelhäutigen Schneemann. Schließlich bin ich ja hier in Afrika. Vom Hotelchef wurde mir das Restaurant Tropical und die Eisdiele/Pizzeria Adriano empfohlen. Nach dem gegrillten Thunfisch auf Sao-Filipe-Art (mit gedünstetem weißen Zwiebel und Pürre) verkostete ich Doce de Papaya com Queijo Fresco. Nach dem Abschlussgang Papaya Fresco spazierte ich noch zu Adriano, der ein wirklich ausgezeichnetes Eis verkauft. Der Tag war heute sehr schön, am Abend schwimme ich noch etwas im Pool und dann Gute Nacht ....

Mittwoch, 1. Dezember
Die Hauptinsel Santiago hat mich wieder. Von Calabaceira, westlich von Praia gelegen, wandere ich 3 Stunden mit Guide durch das Cidade-Valley zum UNESCO-Weltkulturerbeort Cidade Velha, ehemalige Hauptstadt des Landes und einst Drehkreuz des Sklavenhandels. Das Tal ist ein immergrünes Naturschutzgebiet, in dem eine Vielzahl verschiedener Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum haben: sehr scheue Affen, viele Schmetterlinge und Vögel, dazu Mango-, Kokos-, Papaya- und Maracujabäume, Wildfeigen, Aloe, Bananen und Cashewsträucher wachsen wild durcheinander und immer wieder sehen wir Eisvögel (Kingfishers) in den Bäumen. Auch ein mächtiger Baobab ist zu bestaunen. Am Ende des Tales der UNESCO-Teil, die Rue de Banana, mit den Spuren der Siedlungstätigkeiten portugiesisch-italiensicher Entdecker von 1460 bis zum Ende der Kolonialherrschaft Portugals.
Auf der Fahrt nach Tarrafal über zwei hohe Bergpässe zu meinem Quartier nütze ich die gebotene Chance und besuche in Somada den größten und buntesten Markt der Kap Verden. Hab den Mund etwas später wieder zu bekommen - einfach sensationeller Markt.


Donnerstag, 2. Dezember
Tarrafal - der letzte Ort am vorletzten Tag meiner Kap Verde-Rundreise. Die Stadt ist ein Fischerort und lebt auch sehr gut vom Fremdenverkehr dank dem tollen Sandstrand. 2,5 km außerhalb Tarrafal ist das Konzentrationslager zu besichtigen, welches das portugiesische Salazar-Regime dort errichtete und politische Gegner in Jahren 1936 bis 1975 inhaftierte und teilweises jämmerlich zugrunde gehen ließ. Das Lager war inoffiziell auch als „Campo da morte lenta – Lager des langsamen Todes“ bekannt, der Ausspruch des Lagerarztes (siehe Foto) sagt alles. Viele Häftlinge in Einzelhaft starben einen grausamen Tod im sog. Frigideira, ein Betonbunker im Bunker, in dem Temperaturen um die 50 Grad herrschten.
Freitag, 3. Dezember
Ausgleiten steht heute am Programm. Zuerst spaziere ich in zum Markt, ich hab im Koffer noch genug Platz für Mitbringsel, dann kehre ich wie auch gestern in einem der vielen Markt"restaurants" ein, den Großteil des Nachmittags verbringe ich am sehr schönen und sauberen Sandstrand und im 27 Grad warmen Wasser. Am Abend stehe ich noch eine Stunde am Strand und lausche einer Band, der Transfer nach Praia ist für 21 Uhr angesagt, um 1:10 sollte ich am Rückweg in die Heimat sein.

OBRIGADO CABO VERDE - FOI MUITO BOM !